Systemische Traumaberatung - Akuttrauma, Entwicklungstrauma, Bindungstrauma und die Ressource Beziehung

Die Arbeit mit traumatisierten Menschen ist eine besondere Herausforderung für Helfer und Helferinnen in psychosozialen Arbeitskontexten.

Grundlagen und Ziele der Fortbildung

Psychische Traumata - u.a. verursacht durch sexuelle und körperliche Gewalterfahrungen, Vernachlässigung und emotionale Gewalt in der Kindheit, durch schwere Unfälle oder Überfälle, lebensbedrohliche Krankheiten, einschneidende Verlusterfahrungen - hinterlassen bei den betroffenen Menschen oft schwerwiegende posttraumatische Folgen psychischer und körperlicher Art, die zu erheblichen Beeinträchtigungen führen können.

Die Psychotraumatologie und die Erkenntnisse der Traumatherapie haben viele Erkenntnisse über Traumatisierung, ihre Folgen und neue, unterstützende Vorgehensweisen für den Umgang mit traumatisierten Menschen zur Verfügung gestellt.

Diese 6-teilige Traumafortbildung stellt die aktuellen Erkenntnisse der Psychotraumatologie, der Neurowissenschaft und der Bindungsforschung vor und möchte die Teilnehmer und Teilnehmerinnen befähigen, einen fachkompetenten Umgang im beruflichen Kontext mit traumatisierten Menschen zu erlernen. Folgen und Symptome von Traumata werden erklärt und eine ressourcenorientierte Vorgehensweise vorgestellt. Das Ziel ist die Vermittlung von grundlegendem Wissen, das Aufzeigen von unterstützenden Handlungsmöglichkeiten und hilfreichen Methoden, welche die Alltagsbegleitung von traumatisierten Menschen auch für die Helfer und Helferinnen erleichtern können.

Frühe Missbrauchs - und Gewalterfahrungen durch Bezugspersonen schränkt die Fähigkeit, förderliche Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten, oft in erheblichem Maße ein. Beziehungsgestaltung sowie Aktivierung und Aufbau dieser zentralen heilenden Ressource ist deshalb ein Schwerpunkt unserer Fortbildung. Die Bindungstheorie und ihre Weiterentwicklungen nutzen wir als Grundlage für konkrete Handlungsmöglichkeiten.

Welche Kompetenzen vermitteln wir?

Am Ende der Fortbildung verfügen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen über folgende Kompetenzen und Fertigkeiten:

  • Sie verfügen über fundierte Grundlagenkenntnisse der Psychotraumatologie, inklusive der neurobiologischen Zusammenhänge und der Bindungsforschung.
  • Sie kennen und erkennen Folgen und Symptome von Traumata
  • Sie können ressourcenorientierte Interventionen für einen fachkompetenten, entwicklungsförderlichen Umgang mit traumatisierten Menschen sicher anwenden.
  • Sie können durch Traumata bedingte Interaktionen in sozialen Systemen mittels systemischer Konzepte reflektieren und systemische Vorgehensweisen nutzen. 

Unser Ziel ist dabei nicht primär die therapeutische Arbeit bei Traumafolgestörungen, sondern die Vermittlung von grundlegendem Wissen, das Aufzeigen von unterstützenden Handlungsmöglichkeiten und hilfreichen Methoden, welche die Alltagsbegleitung von traumatisierten Menschen für Angehörige verschiedener helfender Berufe erleichtern können.

Curriculum

1. Grundlagen der Psychotraumatologie (3 Tage)

  • Grundlagen der systemischen Beratung
  • Definition, neurobiologische Grundlagen der Traumaerfahrungen
  • Symptome und klassische Diagnostik, Psychoedukation
  • Umgang mit Akuttrauma und Krisenintervention 

2. Ressourcenorientierte Stabilisierung (3 Tage)

  • Das BASK-Modell, Aktivierungszonen und Lernen
  • Bindung als stabilisierender Faktor
  • Einüben von Techniken zur Ressourcenaktivierung und Affektregulation
  • Distanzierungsmethoden im Umgang mit Traumafolgen 

3. Komplexe Traumatisierung (2 Tage + 1 Tag Supervision)

  • Arbeit mit inneren Selbstanteilen (unterschiedliche Konzepte)
  • Bindungsmuster, die Rolle des desorganisierten Bindungsmusters beim Entwicklungstrauma
  • Formen der strukturellen Dissoziation und die Herausbildung von Selbstanteilen in der Gesamtpersönlichkeit (Nijenhuis et al)
  • Diagnosen und komplexe Traumatisierung
  • Die Sprache der Symptome verstehen und damit arbeiten 

4. Interventionen bei Komplextraumatisierung (2 Tage + 1 Tag Supervision)

  • Dissoziierte Bindungsmuster und intergenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrungen 
  • Umgang mit Phobien vor Bindung und Bindungsverlust und bindungsfixierte Selbstanteile
  • Pacing und Leading, Beratung entlang der Erregungszonen und über das BASK-Modell
  • Der Körper als Ressource im Prozess der Heilung (Bodyreading, Eigenwahrnehmung...) 
  • Kommunikation mit dem inneren System: Multisprache (talk trough) 

5. Systemische und traumaintegrative Arbeit mit dissoziierten Selbstanteilen (2 Tage + 1 Tag Supervision)

  • Beraterischer Umgang mit den kindlichen, kontrollierenden und fragilen Selbstanteilen
  • Arbeit mit eingefrorenen und nicht steuerbaren Gefühlen
  • Täterimitierende Anteile
  • Panik, Wut und Scham bei komplexer Traumatisierung
  • Suizidale Tendenzen
  • Formen der Affektregulation
  • Externalisierende Methoden: Stuhlarbeit und Familienbrett (Skulpturen des inneren Systems)

6. Sekundäre Traumatisierung und Selbstfürsorge (2 Tage + 1 Tag Supervision)

  • Der Teufelskreis des Ausbrennens und die biopsychosozialen Folgen
  • Resilienzforschung und das Salutogenesemodell
  • Ressourcen und Schutzfaktoren
  • Selbstwirksamkeit des Klienten und des Beraters
  • Selbstfürsorge: Ich mein privates Umfeld und meine Organisation

Organisatorisches / Kosten

Die Fortbildung umfasst 6 Blockseminare mit je 3 Seminartagen / insgesamt 18 Tage. Mit der Anmeldung ist die Teilnahme an allen 6 Seminaren verbindlich. Alle Fortbildungseinheiten beinhalten neben der theoretischen Vermittlung praktische Übungseinheiten, um die vermittelten Inhalte einzuüben. Dies geschieht in Plenumsdemonstrationen, Kleingruppenübungen anhand von Fällen. Module 3, 4 und 5 enthalten einen Tag Lehrsupervision. Wir lehren in wechselnden Tandems und Einzeln, gemäß den inhaltlichen Schwerpunkten der Module.

€ 2.610,-- , zahlbar in 6 Raten

Anmeldung

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