Bindung und Trauma - Mit den Folgen komplexer Traumatisierungen während der Kindheit arbeiten

Aufbauweiterbildung für Fachkräfte mit Grundkenntnissen im Bereich der Traumapädagogik und/oder Traumatherapie

Grundlagen und Ziele der Fortbildung

Kinder, die in Gewaltverhältnissen groß werden, erleben zweierlei: Sie sind immer wieder traumatischen Ereignissen ausgesetzt. Sie erfahren ihre Bindungspersonen als ohnmächtig oder gar als Täter. Sie werden missbraucht, geschlagen, gequält, alleingelassen oder extrem vernachlässigt.

Dies hat Folgen für die Entwicklung der Persönlichkeit. Auch als Erwachsene sind sie ambivalent, oft suizidal, können ihre Affekte nicht regulieren und entwickeln mancherlei kompensatorische Symptome wie zum Beispiel Drogenkonsum, Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten. Oft haben sie auch Schwierigkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und ihr Alltagsleben zu bewältigen.

In den Arbeitsfeldern der Jugendhilfe, der Psychiatrie und Psychotherapie, der Lernhilfe (Förderschulen) und anderen Arbeitsfeldern sozialer Arbeit treffen wir auf diese früh verstörten Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder. Sie tragen allerlei Etiketten. Ihre Symptomatik ist vielfältig und wechselt.

Um sie in ihrer Entwicklung, Lebensbewältigung und Heilung zu unterstützen, braucht es vielfältiges Wissen und Kreativität. Psychotraumatologie , Bindungsforschung sowie Emotions- und eher Körperorientierte systemische Herangehensweisen bieten reiches Handwerkszeug.

Wir möchten Kollegen weiterbilden, die in ihren Arbeitsfeldern mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit extrem belastenden Erlebnissen arbeiten.

Curriculum

1. Theoretische Grundlagen zu komplexer Traumatisierung

  • Das Bindungssystem und seine Elemente in der normalen Entwicklung 
  • Bindungstraumatisierungen in Folge frühen Mangels, Missbrauchs und/oder Gewalt, 
  • Das Defensivsystem und seine Elemente (Fight, Flight, Freeze, social submission, attachment cry) 
  • Arousals und Arousalzonen (Hypo-, Hyper- und Zone des optimalen Arousals) 
  • Die emotionalen Handlungssysteme des Organismus (Verteidigung, Bindung, Erforschung, Spiel, Energieregulierung) 
  • Dissoziationsbegriffe in der Psychotraumatologie 
  • Diagnosen komplexer Traumafolgestörungen 

2. Formen der strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit und Folgen

  • Die Herausbildung von "Anscheinend normalen" (ANP) und "emotionalen" (EP) Persönlichkeitsanteilen 
  • Primäre, sekundäre und tertiäre Dissoziation der Persönlichkeit 
  • Borderline und andere Persönlichkeitsstörungen 
  • Die Sprache der Ersatzhandlungen, Kompensation und der Symptome verstehen und damit arbeiten. 
  • Dissoziierte Bindungsmuster und intergenerationelle Weitergabe traumatischer Erfahrungen. 

3. Vorgehensweisen in Beratung, Therapie und Zusammenarbeit

  • Systemische Aktionsmethoden wie Skulpturen, Lösungsorientiertes Vorgehen 
  • Entwicklung somatischer, emotionaler und mentaler Ressourcen für die Stabilisierung und Ausbau sozialer Ressourcen 
  • Systemdynamiken innerhalb der Persönlichkeit verstehen und damit arbeiten 
  • Familiäre und soziale Dynamiken im Kontext der Traumatisierten verstehen und damit arbeiten 
  • Beziehungsgestaltung mit den Klienten (Erarbeitung von Bindungshandlungen, wie Blickkontakt...) 
  • Mit mehreren Persönlichkeitsanteilen arbeiten: Skulpturen des inneren Systems 
  • Emotionale Anteile explorieren (BASK) 
  • Multisprache - mehrere adressieren, Talk through 
  • Traumaexposition, wann und wie? 
  • Körper, Emotion und Bewusstsein in der Beratung (anhand des BASK-Modells nach Brown) 
  • Die Technik des Tracking und des Lesens der Körperempfindungen und Emotionen (Beobachtung und Versprachlichung) 
  • Pacing und Leading und Sinnesmodalitäten 
  • Selbstreflexion der Helfer (Wahrnehmung eigener emotionaler Prozesse schulen und nutzen)

Organisatorisches / Kosten:

Das Fortbildungsprogramm umfasst 4 Blockseminare mit je 3 Seminartagen / insgesamt 12 Tage, davon 4x3 Stunden Fallsupervision in Halbgruppen (integriert in das Seminar).

Mit der Anmeldung ist die Teilnahme an allen 4 Seminaren verbindlich.

Kosten:  € 1.560,-- (€ 130,--  je Seminartag), zahlbar in 3 Raten zu € 520,--

Anmeldung

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