Curriculum

1. Weiterbildungsjahr 

1. Seminar – Die Grundlagen der systemisch-beraterischen Haltung – Entwicklung und Identität:

Wir lernen vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Grundlagen der systemischen Haltung und ihrer methodischen Fülle die Vielfalt und den Nutzen von Sinnkonstrukten kennen, welche die Gangbarkeit (Viabilität) unterschiedlichster Lebensentwürfe ermöglichen.  

2. Seminar – Kontexte und Aufträge / Zugänge zu sozialen Systemen:

Wir erkunden Möglichkeiten von Zugängen zu sozialen Systemen, Spiritualitäten, Glaubens-, Sinn- und Wirklichkeitskonstruktionen und Methoden der Reflexion, Konstruktion, Intervention und Bei-Steuerung. Mit ihrer Hilfe werden die Eingangsphase systemischer Beratungsgespräche gestaltet, Beratungsaufträge geklärt und mögliche Lösungsperspektiven aufgezeigt. 

3. Seminar – Familien, Biographien und Konstruktionen professioneller Identitäten 1:

Individuelle Herkunftsgeschichten und die aus ihnen resultierenden Kommunikations-, Verhaltens- und Glaubensmuster prägen unsere Wirklichkeits- und Sinnkonstruktionen. Wie wir in welchen Rollen und Funktionen leben und arbeiten hat viel mit unserer Entwicklung in familiären Kontexten zu tun. Wie wurden wir, was und wie wir sind? Welche Persönlichkeiten haben wir entfaltet? Wie agieren wir in professionellen Kontexten?

4. Seminar - Familien, Biographien und Konstruktionen professioneller Identitäten 2:

Die Inhalte des dritten Seminars werden im vierten vertieft. Wir beschäftigen uns mit Methoden, die uns helfen, soziale Systeme, insbesondere Familiensysteme, zu analysieren und besser zu verstehen. Im Mittelpunkt steht die Anfertigung eines Genogramms der jeweiligen eigenen Herkunftsfamilien unserer Teilnehmenden. Im Rahmen der Familienrekonstruktion im zweiten Weiterbildungsjahr wird diese Arbeit fortgeführt werden.

5. Seminar – Soziale Systeme und das System der Gesellschaft – Krisen und Veränderungen:

Jede Krise wirkt wie Interventionen innerhalb eines sozialen Systems, die bisher gültige Regeln und Normen in Frage stellen. Die Fragen nach Gott, nach dem Sinn, nach spirituellen Wurzeln, nach Werten und Rückhalt tauchen gehäuft in Krisen auf. Es ist eine Chance und Herausforderung zugleich, in Krisen flexible Möglichkeitsräume für Lösungen zu kreieren. Krankheiten, Sterben und Tod, Entwurzelung und Migration, Arbeitslosigkeit und Sucht etc. lassen die Frage nach dem Sinn drängender werden. 

6. Seminar – Beratung und Ethik, Verantwortung und Menschenwürde:

Menschliche Grundbedürfnisse werden in unserer globalisierten, von der Ökonomie beherrschten Welt oft nur unzureichend oder gar nicht wahrgenommen. Wir reflektieren die ethischen Fragen nach einem verantwortlichen Umgang mit der Umwelt und mit unseren Mitmenschen. Menschenwürde und das Streben nach Glück und Gerechtigkeit stehen im Fokus dieses Seminars. 

7. Seminar – Leiden, Krankheit, Abschied und Tod:

In Lebensphasen, die von Leid, Krankheit und Tod geprägt sind stellen wir uns Fragen nach Macht und Ohnmacht, nach Autonomie und Ausgeliefertsein. Menschen gehen sehr unterschiedlich mit Trennungen, Abschied und Tod um. Welche Ressourcen - Gottesbilder, Sinnkonstrukte bzw. Leitbilder und Werte - könnten für Abschiedsprozesse hilfreich sein, für unsere eigenen, wie für diejenigen unserer Klient*innen? 

 

2. Weiterbildungsjahr

1. Seminar – Systemisch-beraterische Haltung – Identität, Professionalität, Kontext:

Wir erforschen den „Kontext“ als wichtige politische, soziologische, historische und psychologische Variable eingehender. Der Umgang mit sozialen Systemen, der System-Umwelt-Differenz und den Kontexten sozialer Systeme wird reflektiert und erprobt. Die Ebene der Kybernetik zweiter Ordnung wird im Blick auf unser beraterisches Handeln und unseren Umgang mit den Wirklichkeits- und Sinnkonstruktionen unserer Klient*innen reflektiert. 

2. Seminar – Kontexte und Aufträge – Interventionen in sozialen Systemen:

Wir reflektieren das beraterische Interview hinsichtlich seiner Möglichkeiten, Zugänge zu sozialen Systemen gemeinsam zu gestalten. Wir entwickeln die Hypothesenbildung in sozialen Systemen und das Interventionsdesign weiter. Systemische Diagnostik als wesentliches Tool der Beratungsarbeit wird vermittelt. Wir analysieren die kontextuellen Entstehungs- und Konstruktionsbedingungen von Glaubens-, Sinn- und Wirklichkeitskonstruktionen, ihr Zusammenwirken und die Möglichkeiten zur Konstruktion viabler Lösungsperspektiven. 

3. + 4. Seminar – Systemische Professionalitäten und Familienrekonstruktion:

Im Mittelpunkt der beiden Seminare steht das soziale System der eigenen Herkunftsfamilie unserer Teilnehmenden als zentraler Vermittlungs- und Verwirklichungsraum von Lebensentwürfen, Verhaltensmustern und Sinnkonstruktionen. Um unsere Professionalitäten, Rollen und Funktionen für unsere Klient*innen hilfreich einsetzen zu können, ist die Reflexion der eigenen Herkunftsfamilie und Persönlichkeit sehr hilfreich.

5. Seminar – Soziale Systeme und das System der Gesellschaft – Krisen und Transformationen:

Im Fokus des Seminars steht der Umgang mit Krisen und Traumata. Krisen bieten uns Anlässe zu Transformationen eingefahrener, verkrusteter Strukturen. Darüberhinaus können wir Krisen nutzen, instabile oder bereits in Veränderung und Transformation begriffene Wertesysteme auf ihre Viabilität für ein sich veränderndes System der Gesellschaft hin zu überprüfen. Auch Sinnkonstrukte sind historischen, sozialen, religiösen, politischen und sonstigen Veränderungen unterworfen. 

6. Seminar - Beratung im Kontext von Ethik, Achtsamkeit und Ganzheitlichkeit:

Die ethische Grundhaltung der sinnorientierten systemischen Beratung basiert grundlegend auf Würdigung, Ressourcen- und Lösungsorientierung und einer achtsamen und ökologischen Grundhaltung spielt. „Ökologisch“ meint hier nicht nur in engerem Sinne die Orientierung an natürlichen und nachhaltigen Prozessen, sondern v.a. eine ganzheitliche Perspektive, die das gesamte Gebäude (griech. oikos - „Haus“) der Lebensräumlichkeit und der Existenz unserer Klient*innen berücksichtigt.

7. Seminar – Kontextualisierungen von Leiden, Krankheit, Abschied und Tod:

Wir reflektieren Mythen, Regeln und Tabus im Umgang mit Abschied, Trennung, Sterben und Tod soziologisch, theologisch-philosophisch und systemisch-konstruktivistisch, um lösungs- und ressourcenorientierte Interventionen zu entwickeln. Bei Abschieden können Rituale eine lebensfördernde, heilsame Wirkung entfalten, indem sie die Klient*innen befähigen, Möglichkeiten zur Bei-Steuerung, letztlich also zur Autonomisierung gegenüber den häufig als lähmend erfahrenen Prozessen des Sterbens und des Todes zu entwickeln.

Jahresprogramm 2019 online als Blätterkatalog

Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie

Akkreditiertes Weiterbildungsinstitut

European Association of Family Therapy (EFTA)

praxis institut für systemische beratung süd ist Mitglied der European Association of Family Therapy (EFTA)

Mitgliedschaften und Akkreditierungen