Gehört das so

Die Geschichte von Elvis

von PETER SCHÖSSOW
Hanser Verlag, 2005 

„Erst wussten wir gar nicht, was los war.“ Eine Gruppe von 6 Gestalten steht in einem sommerlichen Park zusammen: eine große Frau, ein Hund, ein Teddybär, ein fliegendes Wesen, zwei Männer mit Hut. Wir sehen sie in klaren, farbstarken, fast comicartig gezeichneten Bildern. 

„Plötzlich zog sie vorbei.“ Ein Mädchen im roten Kleid, die eine große rote Tasche hinter sich herzieht und dabei eine Staubwolke aufwirbelt. Sie wirkt sauer, missmutig, traurig. Die Gestalten schauen ihr nach, sie folgen ihr.

Das Mädchen bleibt stehen, die Tasche steht neben ihr und mit zwei geballten Fäusten brüllt sie es heraus: „Gehört das so??!“ 

Sie zieht weiter – die Gruppe bleibt dran – einer vorneweg – fünf hinterher. An zwei weiteren Stellen schreit das Mädchen ihre Frage in den Park. Erstaunte Parkbesucher schauen ihr ratlos zu und schweigen. Endlich traut sich die große Frau, spricht sie an und fragt: „Was ist  eigentlich los mit dir?“ – „Elvis ist tot“ brüllt das Mädchen. Alle glauben zunächst, dass der verstorbene Rock ‚n Roller gemeint ist – doch dann öffnet das Mädchen ihre große rote Tasche: „Mein Elvis“ – wir blicken aus der Perspektive der großen Frau in das Gesicht des weinenden Mädchens und in die weit geöffnete Tasche. Jetzt ist alles klar: in der Tasche liegt ein kleiner gelber Vogel, der verstorben ist. 

Das geht allen sehr nahe, einfühlsame Worte werden gesprochen – und dann ein Vorschlag:

„Eine Erdbestattung“. Gesagt, getan – ein Trauerzug mit Blumen, Kerze, Weihrauch. 

Ein Grab wird ausgehoben – Abschied – und dann sitzen alle beisammen bei Bienenstich und Kakao. Das Mädchen sitzt auf dem Schoß der großen Frau – sie erzählt, wie ihr Elvis so gewesen war: schöne Erinnerungen entfalten sich. Die Trauergesellschaft nimmt sich und das Mädchen in die Arme, sie weinen zusammen. Als sie sich dann ausmalen, wie der eine Elvis den anderen Elvis trifft, lachen sie zusammen, obwohl sie so traurig sind. 

Sie stehen gemeinsam am Grab von Elvis, verabschieden sich, winken sich zu. Die Geschichte endet mit diesem Bild – und mit dem Satz „Schön war’s.“

Schon das Titelblatt zieht uns in eine Geschichte hinein: das Mädchen betritt mit ihrer Tasche den Park und wir folgen ihr. Blickt man in ihr Gesicht, fühlt man ihren Kummer. Sieht man, wie sie ruft, glaubt man fast ihr eindringliches Brüllen zu hören. Es dauert lange, bis jemand den Mut findet, sie anzusprechen. Und trotz der schlimmen Nachricht, spürt man die Erleichterung, die durch die Verbalisierung der Ereignisse entsteht. Durch das Gespräch und durch das anschließende gemeinsame Handeln werden Beziehungen vertieft und neue Perspektiven können entstehen.

Ein Bilderbuch für Kinder und Erwachsene ab ca. 3 Jahren. Es macht Mut, auch heikle und bedrückende Fragen in den Raum zu stellen („Gehört das so??!“). Es regt an, unsere Mitmenschen anzusprechen („Was ist eigentlich los mit dir?). Es zeigt, dass auch Abschiede zum Leben gehören, dass man sie tragen und bewältigen kann – am besten gemeinsam!

Peter Miller

 

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