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Das Gehirn – ein Beziehungsorgan Neurobiologie systemisch gedacht

Kurs: Ort: Datum: ReferentInnen: Kosten:

pi-FV 10

Hanau

10.11.2010

Prof. Dr. med. Thomas Fuchs

15 Euro

Denkt das Gehirn? Ist es der Schöpfer der erlebten Welt, der Konstruk­teur des Sub­jekts, die Ursache aller seelischen Krankheiten? – Diesen verbreiteten Deutun­gen der Neurowissenschaf­ten stellt der Vortrag eine ökologisch-systemi­sche Konzeption ge­genüber: Das Gehirn ist vor allem ein Vermittlungsorgan für die Beziehungen des le­bendigen Organis­mus zur Umwelt und für unsere Bezie­hungen zu anderen Men­schen. Diese vielfältigen Interakti­onen verändern das Gehirn fortlaufend und ma­chen es zu einem biographisch und sozial geprägten Organ. An die Stelle monolinearer Verursachung tritt dann der Begriff einer zir­kulären Kausalität, einerseits zwischen verschiedenen hierarchischen Ebenen innerhalb des Organismus, andererseits zwischen Organismus und Umwelt. Beide Formen zirkulär-kausaler Prozesse sind an die Vermittlung durch das Ge­hirn gebunden, jedoch nicht ausschließlich in ihm lokalisierbar. Psychische Krank­heiten lassen sich daher prinzipiell nicht voll­ständig auf Gehirnkrankhei­ten reduzieren.

Fazit: Es ist nicht das Ge­hirn, sondern der leben­dige Mensch, der fühlt, denkt, handelt und der psychisch erkrankt. Die Konsequenzen dieser ökolo­gischen Kon­zeption für thera­peutische An­sätze und für die Rolle der Subjektivität in der Psychiatrie werden aufgezeigt.

 

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie, Studium der Medizin, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Habilitation in Psychiatrie an der Universität Heidelberg, Promotion in Philosophie, Leiter des Referats „Philosophische Grundlagen“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie (DGPPN), Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg, Direktor des Interdisziplinären Forums für Biomedizin und Kulturwissenschaften  (IFBK) an der Universität Heidelberg. Koordinator des Europäischen Marie-Curie Research Training Network “DISCOS – Disorders and Coherence of the Embodied Self” (2007-2011).  Koordinator des nationalen Verbundprojekts “Das Gehirn als Beziehungsorgan – Interdisziplinäre Perspektiven auf die Entwicklung sozial induzierter Fähigkeiten” gefördert von der Volkswagenstiftung (2008-2011).  Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Leib und Lebenswelt. Neue philosophisch-psychiatrische Essays. Die Graue Edition, Kusterdin­gen 2008; Das Gehirn – ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption. Kohlhammer, Stuttgart 2008.

Kosten:
für WB-Teilnehmer kostenlos, Gäste zahlen 15 €

Zeit:
19:00 – 22:00 Uhr


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