| Kurs: | Ort: | Datum: | ReferentInnen: | Kosten: |
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pi-FV 9 |
Erfurt |
04.11.2010 |
15 Euro |
Die konstruktivistische Perspektive auf Selbstbildungsprozesse von Kindern ist bislang noch weitgehend auf das einzelne Kind bezogen und berücksichtigt zu wenig, dass Bildungsprozesse zumeist in Gruppenzusammenhängen stattfinden. Vor dem Hintergrund des gruppenanalytischen Ansatzes werden aus einem Forschungsprojekt (Brandes: Selbstbildung in Kindergruppen, München 2008) Ergebnisse aus Analyen alltäglicher Gruppenprozesse in Kindertageseinrichtungen in kleinen Video-Sequenzen vorgestellt, die verdeutlichen, dass hierbei entstehenden Gruppenprozesse eine Komplexität aufweisen, die mit Gruppenprozessen unter Erwachsenen vergleichbar ist. Dabei ist das wichtigste Medium in Kindergruppen aber das szenische Spiel, das in diesem Alter der Kinder generell zur dominanten Spielform wird. Es lässt sich beobachten, dass auf der manifesten Ebene Fantasiesituationen im Vordergrund stehen, die Kinder unterschwellig aber auch familiäre Situationen und Geschlechterrollen ausspielen.
In ihrem Gruppenspiel übernehmen die Kinder nicht einfach soziale Rollen, sondern sie erschaffen und kreieren sie. Gleichzeitig arbeiten sie die individuellen Drehbücher (skripts) kollektiv um, die sie aus ihrer familiären Umwelt mitbringen und sie erschaffen sich einen gemeinsamen neuen Symbolraum. In diesem Prozess konstituieren sich die Kinder als soziale Subjekte (nach Wygotsky). Gleichzeitig kommt es zu einem wichtigen Entwicklungsschritt auch in der kognitiven Entwicklung, insofern die Kinder im Spiel untereinander lernen, zwischen den Ebenen von Spiel, Nichtspiel und Metakommunikation zu wechseln.
Betrachtet man Kindergruppen aus dem Blick der Mentalisierungstheorie (Fonagy et al), dann zeigt sich, wie die Kinder untereinander früher erworbene Mentalisierungsfähigkeiten einsetzen und weiter entwickeln. Dabei setzen sie sich auch mit mentalen Zuständen von Erwachsenen (wie z.B. Liebe) spielerisch auseinander und integrieren diese so in ihr Selbstbild.
Vor diesem Hintergrund erweisen sich die frühen Gruppenprozesse von Kindern als wichtiger Ausgangspunkt nicht nur für spätere Gruppenfähigkeit, sondern auch für fundamentale Empathiefähigkeit und für die weitere soziale und kognitive Entwicklung.
Prof. Dr. Holger Brandes, Diplom-Psychologe, Diplom-Pädagoge
Studium der Psychologie, Pädagogik und Soziologie an der Universität in Münster, Therapeutische Weiterbildung zum Gruppenanalytiker in Münster und Heidelberg, Lehrgruppenleiter für tiefenpsychologisch fundierte und analytisch orientierte Gruppentherapie (DAGG). Von 1980 bis 1995 Tätigkeit als Psychotherapeut, Supervisor und Ausbilder mit Schwerpunkt auf Gruppenansätzen und geschlechtsspezifischen Interventionsformen (u. a. Männerarbeit), seit 01.09.1996 Professor für Psychologie und bis zum August 2002 Prorektor an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit Dresden. Seit 2005 Direktor des Instituts für Frühkindliche Bildung an der ehs.
Kosten:
für WB-Teilnehmer kostenlos, Gäste zahlen 15 €
Zeit:
19:00 – 22:00 Uhr
Die Veranstaltung ist mit 4 Punkten bei der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer akkreditiert!
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